Filo - 399

„immer, wenn ich am besten klinge, bin ich still.“

Ich sitze in einem Flugzeug und höre Musik. In meine Ohren drängen sich Slap-Bässe, donnernde Drums, Gitarrenrifs mit ordentlich Power abwechselnd mit Mädchengesang, Akustikgitarren, ein paar sehr dezenten elektronischen Elementen. Tempowechsel, offensichtliches Verständnis von Dynamik, Stimmungsumschwünge, und all das in einer Form, die mich sehr an Gish, das Debütalbum der Smashing Pumpkins erinnert, oder stellenweise auch an Origin of Symmetry.

Filos Debütalbum 399 (399 ist die Summe aller Notrufnummern) ist ein bemerkenswertes Stück Arbeit. Die drei Welser, von denen keiner zum Zeitpunkt der Veröffentlichung älter als 19 war, legen hier eine Platte auf den Tisch, die hervorsticht in Österreichs Musikszene. Ein Potpourri aus Progressive, Metal, Noise Rock, Funk, Psychedelic und auch einer Spur Dream Pop - hier mischt man alle möglichen Stile zu einem faszinierenden Klangteppich.
Sänger/Gitarrist/Bassist Fabian Anzingers Stimme hört man auf fast jedem der 10 Tracks schreien, singen oder sprechen, immer wieder untermalt von Bassistin/Gitarristin Julia Ramprechts bemerkenswert hohen Backgroundvocals. Auch Ramprecht singt Leadvocals - auf Grün und Blau pt. 2, Julia und Narkolepsie - alle drei Tracks sind weniger im harten Bereich angesiedelt.
Einfältig ist auf 399 gar nichts. Man merkt schnell den Drang zur Perfektion in den Details, Beispiele dafür sind auch die teils makellos fließenden Übergänge der Titel ineinander (Nackte Träume auf Dunst; Grün und Blau auf Nana).
Schon Nana allein ist eines der besten Stücke, die ich seit langem gehört habe, insbesondere aus dem deutschsprachigen Raum - eine Nummer, die neben dem Closer Schattentanz für sich selbst und auch für das ganze Album spricht.
Erwähnenswert ist auch Niemals, das mit einem durchdringenden Schrei und einer tiefen, dröhnenden Bassline startet, fast ohne Text auskommt und trotzdem oder gerade deshalb volle Konzentration vom Hörer automatisch bekommt, nicht erst einfordern muss. Denn Filo haben es weder nötig, ihre Mängel hinter den Vocals verstecken zu müssen, noch mit zu viel Fokus auf dem Gesang alles andere zu übertönen. Hier ist alles perfekt ausgearbeitet - Gitarre, Bass, Drums sind genau richtig gesetzt, kreativ und einander "auf den Leib" geschrieben.
399 ist eine Eigenproduktion - alles von den Aufnahmen übers Mischen und Artwork bis hin zum CD pressen wurde von der Band selbst ohne jegliches fremdes Beiwerk übernommen. Das hört man auch, und das ist gut so, denn hier klingt alles echt, eben wie eine Band und nicht nach irgendwas, das man nach zwei Wochen später sowieso wieder vergessen hat.
Filo spucken große Töne, und man kann verdammt gespannt sein, was man hier noch zu hören bekommt - das könnte etwas ganz Großes werden. Etwas ganz Eigenes ist es jetzt schon.






Userbewertung: 9,45 Punkte (31 Stimmen)
Autorenbewertung: 8 Punkte
Alle Kritiken zu Filo :

399 (2011)
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Autoren-Bewertung: 8 Punkte
User-Bewertung: 9,45 Punkte
Datum: 20. März 2011

Kommentare

  • Wer ein Album erwerben m├Âchte: Mail an "filoband@gmail.com".

    von Benni, am 23. März 2011 (vor 7 Jahren)

  • Danke f├╝r die schmeichelhafte Kritik. Aber du kannst mich ruhig beim Vornamen nennen, das andere hinten dran liest sich nicht so cool. :-D

    von Juli, am 21. März 2011 (vor 7 Jahren)