Bright Eyes - Cassadaga

„the Bible's blind, the Thora's deaf, the Q'ran's mute - if you burn them all together you get close to the truth.“

Seit vielen Jahren macht Conor Oberst nun schon Musik. Und so viele Alben er schon mit so vielen verschiedenen Projekten gemacht hat, so unterschiedlich ist seine Auffassung eines gleichbleibenden Musikstils. So kennen wir seine elektronische Seite (mit Dank an Digital Ash In A Digital Urn), genauso wie sein Faible für Post-Hardcore (von den Desaparecidos, die schon nach einem (!) Album "auf Eis gelegt" wurden). Am häufigsten hat er seine Gedanken jedoch in klassische Singer-Songwriter-Musik mit Country-Flow verpackt, und auch das weiß man zu schätzen.
In dieser Hinsicht überrascht Cassadaga, das jüngste Bright Eyes-Projekt, wenig. Erwähnte Singer-Songwriter-Musik-mit-Country-Flow, gefüllt mit philosophischen Höhenflügen/grandiosen Texten, kennt man, mag man sehr. Experimentierfreude ist aber diesmal weniger festzustellen. Das Songwriting wirkt ziemlich ausgereift, in diesem Bereich hat Oberst aber ohnehin noch nie irgendwelche Schwächen gezeigt, die Musik teilweise ziemlich auf Hochglanz poliert, irgendwie etwas überproduziert. Da is' zu viel! Keine Überforderung des Ohres, ganz und gar nicht, aber mir fehlt da eine gewisse Fokussierung.. seltsam.
Nun gut, konkretisierend:
Das Intro (Clairaudients) wird übergangen, ist aber nicht unkreativ. Aber auch nicht musikalisch. Das darauf folgende Four Winds ist erstens eine Single, zweitens ein früher Höhepunkt des Albums und drittens textlich einer der besten Songs, die Conor Oberst jemals gemacht hat. Respekt. Auch das schwungvolle Geigenintro zu Beginn (und das Solo!) gefallen sehr. In If The Brakeman Turns My Way singt Oberst mit Jason Boesel (Kilo Riley-Drummer, auch zu hören auf Outer South). Wurde außerdem als Maxi veröffentlicht, nämlich mit Hot Knives, dem folgenden Track. Die verzerrten, "unscharfen" Gitarren zu Beginn verwirren beim ersten Hören (so wie You Will. You? Will. You? Will. You? Will. auf Lifted..) - jene unter uns, die Alben lieber digital beziehen, könnten durchaus auf die Idee kommen, eine verdammt miese Version erwischt zu haben. Dem ist aber nicht so. Das gehört so. Naja.
Make A Plan To Love Me ist das erste wirkliche Liebeslied auf Cassadaga, mit einem schönen Streicher-/Querflötenensemble zu Beginn, und hübschem Gitarrengezupfe als Begleitung.. sehr nett. Stilwechsel folgt wie selbstverständlich gleich im nächsten Track, dem ziemlich energiegeladenen Soul Singer In A Session Band (Self-Hommage?).
Nach Classic Cars als mittigem Track beginnt die ruhige, zweite Hälfte des Albums, die auch die ernsthafteren Themen thematisiert. Nach dem sehr, sehr schönen Cleanse Song als mehr oder weniger "Intro" dieser Hälfte folgt somit auch No One Would Riot For Less, einer der Tracks, die am meisten hängen bleiben. Der Krieg wird thematisiert. Und es schmerzt beinahe, dem Text zuzuhören. Nach Coat Check Dream Song und Everything Must Belong Somewhere kommt man auch schon zum abschließenden Track Nummer 13, Lime Tree, der in etwas aufgekratzter Stimmung sicher zu einem verfrühten Ende durch die Stop- oder Skiptaste führen kann. Wer aber traurig, nachdenklich oder müde ist, findet in Lime Tree sicher einen Freund. Einen traurigen Freund, aber einen Freund.






Userbewertung: 7,50 Punkte (6 Stimmen)
Autorenbewertung: 7 Punkte
Alle Kritiken zu Bright Eyes :

I'm Wide Awake It's Morning (2005)
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Autoren-Bewertung: 9 Punkte
User-Bewertung: 8,73 Punkte
Datum: 26. August 2009

Cassadaga (2006)
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Autoren-Bewertung: 7 Punkte
User-Bewertung: 7,50 Punkte
Datum: 3. September 2009

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