TV On The Radio - Dear Science

„A lot of bands have something to say, we have something to ask.“

"Wenn alles mit rechten Dingen zugeht, werden TV On The Radio mit ihrem vierten Album zur offiziellen Supergroup. Die nächsten Radiohead! Schöpfer eines Low für das neue Jahrtausend!“ So euphorisch prophezeite der Musikexpress im Juni 2008 und wählte David Andrew Sitek, heimlicher Kopf der Band, auch gleich mal unter die Top 50 der einflussreichsten Menschen im Pop-Business. Neben Größen wie Thom Yorke, Josh Homme und Feist. Kein Wunder, ist Sitek doch einer der gefragtesten Produenten: den Foals verhalf er zu einem der besten Debütalben des Jahres, Scarlett Johansson, sonst eher auf der Bühne anzutreffen, brachte er dazu Tom Waits-Klassiker, klingend „wie eine Fee auf Hustensaft“, zu vertonen und mit den Yeah Yeah Yeahs teilt er sich sogar ein Studio. Auch mit David Bowie, der auch schon mal Backing Vocals für einen Song beigesteuert hat, ist er dick befreundet, seine neueste musikalische Schöpfung: Telepathe.
Die Rolle des Frontmanns nimmt dennoch Tunde Adebimpe ein, einer der vier Afroamerikaner im Fünfergespann. David Sitek hält sich lieber im Hintergrund, auch wenn er es ist, der nächtelang die Songs abmischt. Aber nicht nur der Musikexpress kniet vor den Brooklynern Kosmopoliten nieder, sogar die Spex, die Bibel der Popliteratur ist hin und weg: „Die Musik der Zukunft wird farblos sein.“ Eine Ansage, mit der man nicht ganz warm wird. Die Wurzeln der Indie-Musik liegen in der afroamerikanischen Klangwelt, was, mit einigen Ausnahmen (Bloc Party), niemanden mehr kümmert. Umso faszinierender muten da die polyrhythmischen Synthesen, Gospel, Soul, Hip-Hop und Rap-Einflüsse an.
Der Opener Halfway Home gibt auch gleich die Richtung vor: progressiv, aber balladesk, vielschichtig, aber harmonisch. In Crying werden auch schon die diesmal besonders stark ausgefallenen Funk-Elemente hörbar, in Dancing Choose geht es zurück zu Hip-Hop- und Rapwurzeln, Tunde Adebimpe platzt wieder einmal fast vor Energie.
Etwas ruhiger geht es da bei Stork And Owl zu, einer richtigen Powerballaden, auch wieder mit von der Partie die Dosis Funk. Noch ein wenig sanfter und für geübte TVOTR-Hörer fast zu eingängig ist da Family Tree, ein Song der sich nach mehrmaligem Hören schnell abnutzt, allerdings durch ein fantastisches Video besticht.
Die erste Single, DLZ, fährt da wieder ein ganz anderes Programm. Schnell, energisch und kraftvoll kracht da eine wahre Perle nieder. Mit Lover’s Day klingt ein durch und durch gelungenes Album wieder harmonisch und ruhig aus.
Bei Konzeptalben, wie TV On The Radio sie fabrizieren, ist natürlich jeder Song erwähnenswert, besonders in Erinnerung bleiben aber Stork And Owl, Dancing Choose und DLZ.
Insgesamt ein Album, das die 5 Brooklyner immer noch nicht zu den nächsten Radiohead küren wird, aber nach dem fantastischen Vorgänger Return To Cookie Mountain eine interessante Weiterentwicklung auf hohem Niveau.

Anspieltipps: Dancing Choose, Stork and Owl, DLZ






Userbewertung: 8,20 Punkte (10 Stimmen)
Autorenbewertung: 9 Punkte
Alle Kritiken zu TV On The Radio :

Dear Science (2008)
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Autoren-Bewertung: 9 Punkte
User-Bewertung: 8,20 Punkte
Datum: 4. August 2009

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