Bilderbuch - Die Pest Im Piemont

„Unsere Jugend wird dahin sein, wie der Rauch aus dem Schornstein!“

So läutet Maurice Ernst die zweite Scheibe von Bilderbuch ein. Die Pest Im Piemont heißt sie, sehr sehr fein ist sie geworden und der Titel trifft das Thema recht gut, wie ich finde. Die Pest hat also Einzug gehalten im Piemont, und von dort aus kriecht sie nach Österreich in die Ohren all jener, die nicht Reißaus nehmen können vor Bilderbuch. Dass diese Band ursprünglich tatsächlich Texte aus Bilderbüchern (Suppenkaspar etc.) vertont hat, will man gar nicht so recht glauben, wenn man sich dieses gerade für heimische Verhältnisse durchaus komplexe Album zu Gemüte führt. Im Gegensatz zum Großteil des Erstlings Nelken und Schillinge ist die Grundstimmung hier verschwommen und mit einem düsteren, fast bedrohlichen Unterton, weg von der Unbeschwertheit der Indie-Szene.

"Von den Bäumen tropft Blut"
in Jesolo, einer Nummer, die das Live-Publikum 2010 schon mehrmals zu Ohren bekommen hat. Neben Qual und Bedrohung prägt insbesondere die Vergänglichkeit den Grundton des Albums, so fallen Zähne aus, verfaulen Kirschen, werden Beziehungen beendet. Ernst schafft sehr stimmungsvolle, aber keine fröhlichen Texte, viel eher zweifelnde, bedrückende, mit einer recht prägnanten Fluchtstimmung versetzte. Ebenfalls gerne verwendet wird das Thema Italien, man findet sich irgendwie immer wieder in einer kränkelnden, düsteren, aber dennoch irgendwie sehr malerischen italienischen Stadt, malerisch auf eine sehr eigene Art. Die Pest im Piemont eben.
Drummer Andreas Födinger zeigt immer wieder gerne, was er aus seinen Schlagzeug herausholen kann, so hört man meistens recht schnelle, treibende Drums mit perfekt gesetzter Percussion. Kreischende Gitarren, wie man sie von Calypso schon kannte, werden sehr häufig eingesetzt, Die Kirschen Waren Toll beginnt überhaupt mit einem Gitarrenriff, wie man es eher in einer Progressive Rock-Nummer erwarten würde; man hört wirklich kreative Basslines, die nicht nur zur Gitarre dahindümpeln, wie man es schon viel zu oft gehört hat, aber prägnant hat Peter Horazdovsky auch auf Nelken und Schillinge schon gespielt.
Man bringt also verschiedenste Elementen ein, erhält aber dennoch durchgehend eine sehr eigene Stimmung aufrecht. Im Prinzip haben sich Bilderbuch völlig neu definiert. Die Pest Im Piemont ist ein Konzept- und Durchhöralbum, wie man es besser kaum fabrizieren könnte. Lässt man es durchlaufen, wie es sich gehört, fügt sich vieles sehr passend ineinander, trotzdem wirkt es nicht wie ein durchgehender 49-Minuten-Track, sondern ganz einfach wie ein Ganzes - etwas, das mir bei vielen aktuellen Alben sehr fehlt. 
Also stoßen wir an mit Bilderbuch, etwas Pflaumenwein auf ein großartiges Album, das übrigens auch live sehr fein umgesetzt wird. Wer also die Gelegenheit hat, die Band in Natura zu erleben, sollte sie auf jeden Fall nutzen.






Userbewertung: 9,50 Punkte (14 Stimmen)
Autorenbewertung: 9 Punkte
Alle Kritiken zu Bilderbuch :

Die Pest Im Piemont (2011)
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Autoren-Bewertung: 9 Punkte
User-Bewertung: 9,50 Punkte
Datum: 2. April 2011

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