Donaufestival Krems: A Prosperous Revolution

geschrieben von Julius Schlögl, am 24. April 2010

Grundsätzlich ist Krems ja eher wegen landschaftlicher und kulinarischer Reize bekannt. Aber einmal im Jahr erfährt die Idylle aus malerischen Weinbergen, historischer Altstadt und Österreichs sicherster Justizanstalt einen leichten Knacks. Dann nämlich, wenn das Donaufestival Krems zum temporären Epizentrum der Avantgarde aller Kunstrichtungen erhebt.c/ Donaufestival

Ab kommenden Mittwoch ist es wieder so weit. An zwei programmintensiven Wochenenden, diesmal thematisch "Failed Revolutions" gewidmet, reihen sich die Highlights aneinander.
So dürfen etwa Deichkind nicht fehlen, die ihre konsumkritische Gesellschaftshaltung in einer "Diskursoperette" auf die Bühne bringen. "Deichkind in Müll" dürfte mit der zu erwartenden radikalen Vortragsweise ein Kernstück des Programms werden.
Musikalisch so richtig interessant wird es am Donnerstag, wenn Xiu Xiu und Deerhof das Joy Division-Album "Unknown Pleasures", dem Post Punk-Klassiker, neu interpretieren. Hoch interessant wird die Frage, wie mit dem Werk, das in der Umbruchsepoche zwischen analog und digital entstand, technisch umgegangen wird.
Panda Bear, Teil des innovativen Animal Collective, ist bereits Kind des digitalen Zeitalters, was sich in seinem experimentellen Schaffen durchaus niederschlägt.
Wesentlich heterogener als der Vortag fällt, zumindest was die auftretenden Musiker angeht. Zum einen wären da Didi Bruckmayr und Sigi Aigner, beide Sänger der Underground/Hardcore-Band Fuckhead, auf der anderen Seite Rufus Wainwright, der große und exzentrische Songwriter aus Nordamerika.

Auch das nächste Wochenende bietet einige selten, aber umso lieber gesehene Gäste. Die Wegbereiter des Island-Hypes, Múm, etwa oder Wolf Parade. Auch die Insel-Romantiker Tindersticks rund um Stuart A. Staples geben sich die Ehre oder auch die provokante Perfomerin und Musikerin Peaches.

Für ein abwechslungsreiches wie höchst anspruchsvolles Programm ist also gesorgt. Interessant ist, neben dem "Iceland hits Danube"-Schwerpunkt auch der begrüßenswerte Fokus auf Kanada, einem Land, das völlig zu Unrecht meist nur in Verbindung mit dem großen Bruder betrachet wird.

Seit Jahren schafft das Kremser Donaufestival das, was der Millionenstadt Wien auch mit dem neu geschaffenen Popfest nicht gelingen wird: Ein außergewöhnlich anspruchsvolles Programm mit einigen wenigen Publikumslieblingen, vielen Geheimtipps und noch mehr Innovation in Form und Inhalt zu kuratieren und darin mit stetig steigenden Besucherzahlen bestätigt zu werden.
Und in Verbindung mit dem Literatur-, Film- und Theaterprogramm sucht das Donaufestival sowieso seinesgleichen.

Eine fade Lobeshymne? Mag sein - aber heutzutage will eine geglückte Revolution eben auch ordentlich gefeiert werden. Viva la Donaufestival!



 




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