Der Nino aus Wien - Down in Albern

„Oh, welch herrliche Geräusche, tief im tiefen Herz des alten Wien!“

"Es ist dies mein zweites Album. Es ist das erste welches ich unten in Albern aufgenommen habe. Deshalb nenne ich es "Down in Albern".
So gelesen im Booklet der ersten CD aus dem kleinen Package, das mir Problembär Records, ein kleines Label aus Wien, zukommen hat lassen. Was ich übrigens sehr nett gefunden habe.
Weiters: Sir Tralala geigt hier auf, pauTi van pauTipauT basst und klarinettet - der Verdacht liegt nah, dass man es hier mit dem heurigen FM4-Protestsongcontestgewinner pauT (Sepp haT gesagT, wir müssen alles anzünden) zu tun hat. Soweit so gut!
Ich recherchiere also weiter. Durchforstet man die Problembär-Homepage, sieht man, dass das Label offensichtlich sehr viel auf seinen Nino gibt - richtig träumerische Sätze liest man da! Man liest auch: "Aufgenommen wurde im Schnellverfahren; windschiefe Momente absichtlich nicht nachträglich begradigt; der Moment zählt!"

Das merkt man. Und das trägt auch viel zum Album bei - es ist praktisch ein Rohbau, dem man gar keinen Puder mehr ins Gesicht stauben mag. Aber recht viele Facetten hat er trotzdem, der Rohbau, auch ohne Hochglanzpolitur - Sir Tralalas Geige versüßt einem Down in Albern ganz und gar, auch auf Die Lieder trifft das zu. Dann hört man Orgeln, Klarinetten, Saxophone, Trompeten und sogar eine Ukulele - großteils hört man aber Nino mit seiner verkühlten Gitarre. Und auch textlich bzw. stimmungsmäßig gibts da sehr viel. Ein großartiger Start ist Zimmer zu vermieten zwar nicht, aber Weit weit weg klingt dann doch so schön verträumt, dass man alles vorher vergisst, und aus irgendeinem Grund erinnert es mich an Taximusik. Ich weiß nicht, sag du setzt die Träumereien fort, auch wenn Ninos Aussprache irgendwie etwas ins Französische abzuschweifen scheint.
Aber genug davon. Schließlich freut sich der Nino gerade irrsinnig über freie Tage im Sommer und tut das in  Holidays der Welt kund. Kennt man vielleicht aus aufmerksamer FM4-Hörer, war ja immerhin Ninos erste Singleauskopplung von Down in Albern. So ganz nebenbei, ähneln tut der Name ja Down in Albion von den Babyshambles, ein bissl sonstige Ähnlichkeit kann man vielleicht auch raushören, wenn man fest daran glaubt. Gefallen tut mir Ninos musikalischer Gedankensprudel aber mehr. Schließlich mag ich nachdenkliche Lieder fast mehr als alle anderen, und hui, da kommt ja schon wieder eins (Mein erstes Gedicht). Der Sinn von Wir ziehen in den Krieg erschließt sich mir nicht so wirklich, daher machen wir gleich eine Zeitreise zu Down in Albern, wo sich Sir Tralala "aufspielt". Gefällt mir fast am besten vom ganzen Album.


Eigentlich mag ich ja keine Lied-für-Lied heruntergebeteten Kritiken. Trotzdem schreib ich sie immer wieder. Manchmal kann ich einfach nicht anders - manchmal mag ich kein Lied auslassen, weil ich sie alle irgendwie erwähnen mochte. Hier ist das der Fall. Aber trotzdem zwing ich mich jetzt dazu, etwas zu überspringen, und zwar bis zu Du Oasch. Ja, auch Die Lieder ist sicher ein solches, womit sich viele, viele Menschen identifizieren können, und Walzerlied gefällt mir gerade wegen dieses irrsinnig schönen Wiener Charmes so, den ich ja grundsätzlich vergöttere. Zumindest das gehört erwähnt.
Jedenfalls ist  Du Oasch Ninos zweite Single, und die kenn ich ja tatsächlich schon! Es war ein Abend mit grindigstem Wetter, im Auto läuft FM4, und irgendwie fühle ich mich an die Österreicher der alten Schule erinnert - angsoffen und verraucht und irgendwie für nichts motiviert. Und das hat mir sehr gut gefallen! Weil man so etwas einfach nicht mehr oft hört und es auf eine ganz eigene Weise charmant ist. Schön. Ich mag Du Oasch und wünsche ihm, dass es in die Riege der österreichischen Klassiker eingeht. So wie ich es dem Nino aus Wien wünsche, dass ihn jeder kennt und jeder mag. Denn österreichische Musik sollte sowieso wieder einen anderen Stellenwert einnehmen - großteils hat sie es wirklich verdient.
Noch etwas: Dass dieses Album ohne irgendwelches "Glattbügeln" und großartiges Überarbeiten, noch dazu im Schnelldurchlauf aufgenommen worden ist, macht die Musik insofern noch etwas bemerkenswerter, weil es nicht leicht ist, im Stress zu arbeiten und vor allem sehr mutig, ein praktisch "unkorrigiertes" Werk zu veröffentlichen. Vor allem, weil das auch ganz, ganz anders klingen könnte.






Userbewertung: 8,12 Punkte (17 Stimmen)
Autorenbewertung: 7 Punkte
Alle Kritiken zu Der Nino aus Wien :

Down in Albern (2009)
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Autoren-Bewertung: 7 Punkte
User-Bewertung: 8,12 Punkte
Datum: 23. Februar 2010

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