Fritz Kalkbrenner - Here Today Gone Tomorrow

„I dance and sing instead of walk and talk.“

Kalkbrenner. Dieser Name steht seit Jahren für qualitativ hochwertige elektronische Musik aus Berlin. Schon mehr als ein Jahrzehnt lang bereichert Paul Kalkbrenner mit seiner Interpretation von Techno die Welt der elektronischen Musik, seit einiger Zeit begeistert nun auch sein jüngerer Bruder Fritz die Szene - und auch eine ständig wachsende Hörerschaft außerhalb davon - mit seinen Produktionen. Seinem Debütalbum "Here Today Gone Tomorrow", erschienen im Oktober 2010 auf Suol, möchte ich nun einige Zeilen widmen.

Wie schon in der Biographie zu lesen ist, hat Fritz seine Wurzeln im Hip-Hop und so verwundert es auch nicht sonderlich, dass zwei Stücke auf dem Album diesem Genre Tribut zollen. Sowohl der erste, als auch der letzte Track  - passend als Intro und Outro betitelt - sind sehr gefühlvolle Kompositionen, die mit ihren gebrochenen Beats und filigranen Melodiebögen einen passenden, würdevollen Rahmen für dieses Album bilden.
Apropos "gefühlvoll": Müsste man den Sound von Fritz Kalkbrenner charakterisieren, würde man wohl dieses Schlagwort wählen, auch wenn es der Vielseitigkeit dieses Mannes nicht ganz gerecht werden will. Während die Produktionen von Bruder Paul eher monoton und technoid ausgerichtet sind - und das ist bitteschön keineswegs abwertend zu verstehen -, zeichnen sich jene von Fritz durch eine wohlige Wärme, ein Gefühl der Geborgenheit und der inneren Ruhe aus. Gemütliche Flächen, berührende Melodien und satte, tiefe Bässe machen seine Kreationen aus. Der Einsatz von Gitarren und Bassgitarren in einigen Tracks verleiht dem Ganzen etwas sehr Eigenständiges und lässt die Stücke lebendiger und voller klingen. Doch gibt er sich nicht damit zufrieden, einfach nur zu produzieren, nein, für einige Titel auf dem Album sang er selbst Vocals ein. Lange schon vor seinen ersten eigenen Releases lieh er seine Stimme den Tracks von befreundeten Künstlern, Näheres dazu findet ihr in der Biographie. Auch auf seinem Album bekommt man seinen rauchigen, kratzigen, eigenwilligen und  wahrscheinlich genau deshalb so faszinierend-schönen Gesang zu hören.
Da wären zum Beispiel mit Right In The Dark und Facing The Sun zwei Songs, die man als poppigen Deep House mit Country-Einflüssen beschreiben könnte. Fritz Kalkbrenner bringt hier eindrucksvoll seine Stimme zur Geltung und schafft es dabei gekonnt, nicht in den musikalischen Kitsch abzudriften. Auch erwähnen sollte man das großartige Was Right Been Wrong, das einige bereits von der "Wingman EP" aus dem Jahre 2009 kennen dürften. Der Gesang wirkt in keinem Moment aufgesetzt oder aufdringlich, im Gegenteil, er bildet mit der Instrumentalisierung ein harmonisches Ganzes, alles klingt wie aus einem Guss.

Doch Fritz wäre kein Kalkbrenner, würde er seine gewohnten Pfade nicht ab und an verlassen. So versteift er sich auf seinem ersten Album nicht auf ruhige, deepe Klänge, sondern beweist,  dass er auch die etwas forschere Gangart einwandfrei beherrscht.
Stücke wie Amy Was A Player zeigen deutlich sein Können als Produzent. Tech House, auf das Notwendigste reduziert, und dennoch so druckvoll, spannungsgeladen und abwechslungsreich, dass es eine wahre Freude ist.

So manch einer ist ja der Meinung, Fritz sei nur ein billiger Abklatsch von Paul. Dass sich die Brüder in ihrem Sound irgendwo ähneln, ist aber weder verwunderlich noch verwerflich. Von 14 Tracks gibt es einen einzigen, den man ohne Zögern auch Paul zuschreiben könnte. Doch das ist Jammern auf hohem Niveau, "Here Today Gone Tomorrow" bietet über seine gesamte, die Kapazität einer Audio-CD mehr als ausreizende Spielzeit von etwas über 79 Minuten elektonische Musik in Bestform.
Freunde guter Musik sollten es sich nicht entgehen lassen, in diese Melange aus Techno, Tech House, Deep House und viel Soul hineinzuhören - auch, wenn sie um die elektronischen Gefilde normalerweise einen Bogen machen.






Userbewertung: 9,73 Punkte (11 Stimmen)
Autorenbewertung: 8 Punkte
Alle Kritiken zu Fritz Kalkbrenner :

Here Today Gone Tomorrow (2010)
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Autoren-Bewertung: 8 Punkte
User-Bewertung: 9,73 Punkte
Datum: 13. März 2011

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