The Antlers - Hospice

„I've woken up, I'm in our bed, but there's no breathing body there beside me.“

Und wieder einmal lässt sich das nächste interessante Bandprojekt im New Yorker Stadtteil Brooklyn lokalisieren: The Antlers sind ein - rein männliches - Trio, das nun nach drei Jahren seines Bestehens das erste reguläre Studioalbum vorgelegt hat, Hospice eben, zu deutsch "Herberge".

Als Protagonist der Antlers eignet sich wohl Peter Silberman am Besten, der für Gesang und Gitarre zuständig ist. Zwei Jahre hatte sich der 23-jährige von Freunden und Familie abgeschottet und in seine Wohnung - seine eigene kleine "Herberge" -  zurückgezogen, bis mehrere EPs später im August 2009 endlich Hospice auf dem New Yorker Klein-Label Frenchkiss Records (unter anderem Heimat der Dodos) erschien. Dass die Antlers auf ihrem bandeigenen Blog bereits vor einem Jahr stolz verkündeten, mit dem Album fertig zu sein, zeugt entweder von hoher Perfektion oder von passiver Label-Politik. Immerhin mangelte es in letzter Zeit ja nicht gerade an Newcomern aus besagtem New Yorker Distrikt.

MGMT, Telepathe, Gang Gang Dance & Co. sind aber bestenfalls räumliche Nachbarn, musikalisch halten sich die Antlers eher an die ebenfalls aus NYC stammenden Yeasayer, beim Instrumentarium an Arcade Fire und besonders an Bon Iver. Denn das macht die Antlers aus: sphärische, fragile Instrumentierung, ebensolcher Falsettgesang und viel, viel Shoegaze.

Der Eröffnungstrack mit dem für Intros so unüblichen Titel Prologue bietet auch gleich einen ersten Vorgeschmack auf das, was im Album lauert, wenn man sich durch das übliche Geschenkpapier durchgekämpft hat. Kettering folgt auf dem Fuß und vereint alle genannte Qualitäten der Antlers. In Sylvia wird es dann erstmals ein wenig lauter, Trompeten mischen sich mit dem genannten Shoegazing-Sound aus Gitarre und Drums.

Atrophy, ein Monument von einem Song mit seinen 7:40 Minuten schwebt wie Nebel über dem Styx, wird dichter und dichter, zu spärlichem Gesang gesellen sich mehr und mehr Klangschichten zu einer undurchdringlichen morbid-schönen Masse mit Glockengeläut im Hintergrund, bis sich auf einmal der Nebel lichtet und Peter Silbermans Stimme wieder zu zart angeschlagener Akustikgitarre erklingt.

Etwas eingänglicher und auch fröhlicher als man es für möglich gehalten hätte überraschen die Antlers mit Bear und das der ernsten Thematik zum Trotz: Eine ungewollte Schwangerschaft, Hilflosigkeit, Abtreibung, Schuld und Entfremdung. Denn Hospice ist ein Konzeptalbum, eines dieser schwer zugänglichen, etwas sperrigen Kunstwerke, die sich einer Idee verschrieben haben. In diesem Fall handelt es sich um den Tod, allerdings nicht auf der abgelutschten Art, wie wir es von unzähligen Interpreten kennen, sondern auf unglaublich subtile und originelle Weise. Wer sich durch durch die Lyrics aller Songs "quält" erhält am Ende als Belohnung für seine Mühen eine kleine Lebensgeschichte.

Aber auch ohne sich der inhaltichen Ebene überdurchschnittlich zu widmen kann man die Antlers gern haben, sehr gern sogar. Allein die Fans der Kanadier Win Butler und Owen Pallet dürfen sich mit Two, Sylvia und Shiva an unerwartetem Nachschub ihrer Lieblingsmusik erfreuen und melancholische Gemüter können sich wohl über das gesamte Album nicht beklagen. Groß werden die Antlers wohl nie werden, aber das ist auch gut so, denn die unglaublich ehrliche Intimität, die die Antlers an den Tag legen ginge in größeren Dimensionen wohl unweigerlich verloren. Und so wartet man gespannt auf weitere Europa-Daten, erste Bestätigungen für die Insel und Belgien stehen bereits.

Im deutschsprachigen Raum kann sich das Trio noch keiner übermäßig großer Beliebheit erfreuen, deutschsprachige Rezensionen lassen sich an einer halben Hand abzählen, nur der FM4-Sumpf hat schon Auszüge gebracht. Zur Rechtfertigung unseres Kulturkreises muss man allerdings sagen, dass Hospice in Europa erst am 23. Oktober erscheint.






Userbewertung: 9,27 Punkte (11 Stimmen)
Autorenbewertung: 9 Punkte
Alle Kritiken zu The Antlers :

Hospice (2009)
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Autoren-Bewertung: 9 Punkte
User-Bewertung: 9,27 Punkte
Datum: 24. September 2009

Kommentare

  • in den staaten ist es bereits drau├čen, kev, du genie :)

    von Julius, am 1. Oktober 2009 (vor 9 Jahren)

  • Lies doch mal die Kritik, dann k├Ânntest du es verstehen ;)

    von Lukas Linemayr, am 1. Oktober 2009 (vor 9 Jahren)

  • versteh ich zwar ned ganz...klingt aber trotzdem nach leak
    oder ich steh komplett auf der leitung

    von Kevin, am 1. Oktober 2009 (vor 9 Jahren)

  • *hust* "Zur Rechtfertigung unseres Kulturkreises muss man allerdings sagen, dass Hospice in Europa erst am 23. Oktober erscheint." *hust*

    von Lukas Linemayr, am 1. Oktober 2009 (vor 9 Jahren)

  • geh ich richtig in der annahme, dass das album noch gar ned released is (weil es is ja in der warteschleife...)
    find ich ehrlichgsagt ned so toll.

    von Kevin, am 30. September 2009 (vor 9 Jahren)