Iceland for the masses!

geschrieben von Julius Schlögl, am 2. Mai 2010

Dc/ Múmas Bild des zauberhaften Landes, Heimat von Elfen und anderen Märchenwesen, das Image der zeitlosen Idylle ist mehr als nur angekratzt. Islands letztes Jahr war reichlich turbulent. Ein klarer Fall also von und für "failed revolutions", dem Motto des Kremser Donaufestivals.
"Iceland hits Danube", ein Schwerpunkt des diesjährigen Donaufestivals, präsentiert einen Querschnitt durch die isländische Gegenwarts- und Popkultur, welcher hoffentlich auch die jüngsten Ereignisse miteinbezieht.
In der Kunsthalle experimentiert Bryndrís Hrönn Ragnarsdottir mit den Goldberg-Variationen des J.S.Bach. Klingt jetzt vielleicht nicht allzu spektakulär, doch hat die Künstlerin die Kunst des Notenlesens nie erlernt. Stattdessen arbeitet sie nach dem trial & error-Prinzip - und mit ihrem Gehör.
Dem gegenüber gestellt wird eine andere Aufzeichnung desselben Werkes, erhöhte Aufmerksamkeit ist also wünschenswert! Klingt sogar fast ein wenig nach "fake reality"...
Ebenfalls in der Kunsthalle treibt Snorri Asmundsson sein provokant-produktives Unwesen, das mit gesellschaftlichen Tabus spielt und die Grenzen und Reaktionen seiner Mitmenschen  auslotet.
Hochinteressant wird auch der Auftritt der "whale watching tour", die von Ben Frost, Nico Muhly und Valgeir Sigurdsson aufgezogen wird. Die drei befreundeten Musiker, allesamt Hochkaräter ihrer Branche, verschmelzen ihre musikalischen Vorlieben und erzeugen mithilfe eines Klassik-Ensembles wunderbare Klangwelten.
Verträumt, sphärisch, elfenhaft - so lässt sich die Musik von múm charakterisieren. Sie gehören zu den Wegbereitern des Island-Hypes, den sie in den 1990ern gemeinsam mit fixen Größen wie Björk oder Sigur Rós erarbeiteten.
Zarte, spinnwebenfeine Instrumentierungen und himmlischer Gesang zeichnen múm aus, ihre Musik wird gerne auch mal als "Zartcore" bezeichnet. Mit von der Partie ist mit Sicherheit auch ihr aktuelles Album „Sing Along To Songs You Don’t Know“, das unter dem Einfluss der Finanzkrise und des Währungscrashes in Island entstand. Den tiefgreifenden Umbrüchen auf der Vulkaninsel begegnen múm hierauf mit Gelassenheit und Zuversicht - eine ungewohnte, aber umso erfreulichere Herangehensweise.
Wer ein Herz hat für den Charme eines kleinen Landes, dieses in und für sich entdecken möchte oder einfach auf den stilsicheren Kurator des Donaufestivals vertraut ist am kommenden Donnerstag in Krems richtig. Sanfte Melodien oder Provokant-Performances, das Donaufestival spannt den gewohnt weiten Bogen um einen Schwerpunkt.
Und jetzt im Stile einer Kindergeburtstagspartyteinladung: Bitte mitbringen: Ein wacher Geist und ein weiter Horizont. Und gute Laune schadet sowieso nie.

Donaufestival - Wochenende II
06. Mai ab 10.00
Vollpreis: 29€
Ermäßigt: 26€
www.donaufestival.at




Kommentare

Keine Kommentare hier bis jetzt :(