Interview mit Krautsch├Ądl

geschrieben von Sophie Schmidauer, am 22. April 2010

Krautschädl - eine der beliebtesten Bands hier auf trickster.at, und das wundert uns auch gar nicht. Die Jugend in Oberösterreich fährt darauf ab, und deshalb haben wir uns mit Sänger Mölgie gemütlich im Garten des Welser Schl8hofs zusammengesetzt und für euch ein längst fälliges Interview geführt.

 

Was dürfen wir uns vom dritten Album erwarten?

Definitiv mehr Krautschädl. Wir werden diesmal auch selbst produzieren. Stilistisch gesehn wird es nicht viel anders sein, es wird einfach eine weitere Krautschädl-CD sein. Die meiner Meinung nach (viel) besser ist als die ersten zwei.

Gibt es schon einen Namen?

Es gibt einige zur Auswahl, aber die darf ich nicht verraten. Da brauchen wir noch ein bisserl das Optische auch dazu.

Wann kann man damit rechnen?

Wir arbeiten alle auf Ende August hin, ob wir das schaffen, nachdem wir noch ein Label suchen müssen... Es kann auch Herbst werden. Aber wir arbeiten alle auf Ende August hin.

Wir sind ja schon fast in der Festivalsaison – würde es euch reizen, mal auf einem größeren Festival zu spielen?

Ja, natürlich! Auf jeden Fall, aber in Österreich muss man entweder durch einen supertollen Radiohit bekannt werden, was aber auf Mundart eher schwierig ist, oder man ist bei einer der großen Bookingagenturen dabei. Und nachdem wir einen eigenen Booker haben, der nur für uns da ist, wird das wahrscheinlich in den nächsten zehn Jahren nicht passieren.

Schade.

Ja, außer Ö3 sagt jetzt „Boaah, des is zwar Mundart, aber es is super!“ …

Da kann ich anschließen. Dialekt und Rockmusik ist ja eine ungewöhnliche Kombination.. Eure Musik scheint aber trotzdem grad bei den jungen Leuten super anzukommen, aber was hält eurer Meinung nach andere Bands aus dem deutschsprachigen Raum davon ab, Musik in ihrer Muttersprache bzw. ihrem Dialekt zu machen?
Mundart ist in Österreich deshalb ein Problem, weil's die Radios einfach nicht spielen. Also es gibt zwei, FM4 und Ö3. Und Ö3 sagt entweder Deutschrock oder englischsprachige Musik, alles andere werden wir nicht spielen. So gesehn traut man sich vielleicht einfach nicht, etwas eigenes zu machen, bzw. Mundart zu singen. Mit recht viel Erfolg kann man nicht rechnen. Und bezüglich FM4 befürchte ich, dass es mittlerweile auch zu einem Formatradio geworden ist – die suchen sich schon ganz genau aus, was sie spielen. Aber in so einem Land kann man auch nicht übers Radio berühmt werden, das muss man sich schon über unzählige Live-Auftritte verdienen – da spielt man halt mal irgendwo im Weinviertel im Gatsch.

Worauf führt ihr euren großen Erfolg bei der Fangemeinde zurück? Es gibt ja kaum jemanden, der euch nicht kennt.

Wir haben zum einen sehr, sehr viel gespielt – wirklich alles, was wir irgendwie bekommen haben – zum Anderen scheren wir uns schon um gute Musik. Es gibt zehn Songs am Album, und an jedem Song wurde so lang herumgeschachtelt und arrangiert, bis jeder gesagt hat, das passt.

Auch der Sommerhit?

Naja, zum Beispiel jeweils einer von den beiden ist von mir, die sind in einer Nachtsession entstanden – meine Kollegen waren sowieso schon alle daheim, und da hab ich mir gedacht, „jo, loss amoi renna“.

Und der zweite Sommerhit? Stimmt die Geschichte, gibt es wirklich ein rückwärts aufgenommenes Gulaschrezept?

Das ist glaub ich der Sommerhit auf dem zweiten Album – wir haben einfach irgendwelche Ortsnamen oder so aufgesagt, weiß nicht mehr, was ich reingeredet hab – war sehr lustig. So viel zum Thema Alkohol im Studio…

Wieso ist Pinokio die einzige Nummer auf Hochdeutsch?

Das war eigentlich unsere vierte oder fünfte Nummer, die wir überhaupt geschrieben haben, die sollte eigentlich schon auf's erste Album, aber wir haben die Rechte nicht bekommen, weil dieser Text nicht von mir ist. Der ist tatsächlich vom original Pinocchio-Titelsong, „Kleines Püppchen“. Die haben eben gesagt, „Jetzt habt ihr da unseren Text. Den dürft ihr nur verwenden, wenn wir die Rechte an der Musik bekommen.“ Und wir haben gesagt, „Naja, die Musik haben eigentlich wir gemacht“, und den Text hab ich irgendwie umgeschachtelt, naja. Am zweiten Album haben wir das nochmal probiert, die sind aber eisern geblieben, wollten unbedingt die Musik, und wir haben halt gesagt, gut, sind auch nur ein paar Euros an Tantiemen im Jahr. Hauptsache der Song ist auf der Platte.

Wir waren schon beim Majordeal – ihr seid ausgestiegen, wie ich mir schon gedacht hab, wegen der Mitbestimmung. Wie hat es sich gelebt? Bzw. wie seid ihr da überhaupt reingekommen?

Wir haben ganz traditionell ein CD-Package hingeschickt, ein etwas auffälliges. Das war ein ausgehöhlter Krautschädl, eine CD hineingesteckt, und das ist schon einmal ein ordentliches Paket. Leider hat die Demo-CD für Sony nicht funktioniert... Normalerweise wird sowas weggeschmissen. Aber der A&R hat wirklich angerufen und gesagt, er will was hören. So sind wir da reingekommen. Unterschrieben haben wir deshalb, weil wir gesagt haben, da sind zwei, drei gute Alben für uns drin, die Sony finanziert – das kann man sich selbst einfach nicht leisten. Ich will keine Zahlen nennen, aber es ist wirklich sehr, sehr teuer gewesen. Dann hats halt irgendwie geheißen, naja, wir habens bezahlt, jetzt kümmern wir uns um's Cover. Deshalb gibt’s dieses hellblaue Cover von der zweiten CD. Dann ist immer hin und her gegangen mit Videos etc. und wir haben dann irgendwann einmal gesagt, naja, wart einmal. Wir kennen einen super Techniker, ..., wir verstehen uns gut mit unserem Produzenten, wieso machen wir das nicht einfach selber? Der Deal hat uns zwar schon die ganzen Kontakte und so gebracht, aber irgendwie haben wir gesagt, wir brauchen kein Major-Label mehr. Sie haben die Kündigung zur Kenntnis genommen.

Lebt der Traum vom eigenen Pferd noch, hat es ihn je gegeben?

Naja, ein Gehalt hat es ja von Sony in dem Sinn nicht gegeben – die haben halt die Alben gezahlt, und das war's. Aber natürlich träumt jeder von einem eigenen Heim im Grünen... und wenn ein Pferd Platz hat, dann wird’s auch ein Pferd und kein Esel.

Nochmal zu den Liveauftritten – es geht ja meistens ziemlich her. Hat es beim Stagediving etc. schon Verletzungen gegeben, oder, naja, Vorfälle?

Ja, doch, auf jeden Fall. Ein Mal haben wir in Vorchdorf gespielt, da waren überhaupt keine Sicherheitsvorkehrungen, einfach ein Betonboden, die haben sogar Gläser ausgeteilt, die natürlich geflogen sind – ein Mädchen hat sich dann im Getümmel die Hand aufgeschnitten, die musste sogar in’s Krankenhaus. Im Stadtkeller haben’s auch zwei Leute mit der Rettung abgeholt – ich bin jetzt nicht stolz drauf. Einmal hab ich eine Nummer unterbrochen, in Leonding, da ist ein Typ gekommen, so 40, 50, komplett angetschechert, mit Lederhut und Ledergwandl und schreit rum, und auf einmal seh ich dass der so einen kleinen Hund hat, und ich denk mir „Na, geh weida.“ Bei 100 Dezibel oder so taugt's dem Hund sicher auch ned so. Aber gut, kann man nichts machen. Dann hat er aber angefangen, dass er mit dem Hund so in der Luft herumwachelt, da hab ich gesagt „Aus, stopp, der Hund ghört weg.“ Er hat natürlich nicht auf mich gehört. Aber es hat sich dann im Publikum so ein Halbkreis um ihn gebildet, so quasi, „Du duast jetzt wos der Mr. Mölgie sogt!“ Da haben's mir schon geholfen, die Schädler, das war super.

Wovon lasst ihr euch inspirieren?

Von einer guten Essigwurst, vom Frühling im Gastgarten, von einer duftenden Pferdekoppel... Nein, wir sitzen da unten im Proberaum, sind am Jammen, und dann fällt uns was ein, zum Beispiel so Sätze wie „weil a Holzkopf im Wossa ned untergeht“, da war der Song irgendwie schon geschrieben. Manchmal kommt was, manchmal kommt halt nix. Da hast eine Idee, und irgendwann sagst, „Des is a guade Idee“, und dann wir da ein Song draus gemacht.

Ihr habt ja „Krautschädl“ auf Vinyl pressen lassen, war das eine gute Idee, verkauft sie sich?

Das war ein Fan-Gimmick von der Firma, war nichtmal unsere Idee. Das haben wir immer dabei gehabt, und wenn jemand eine CD bzw. zwei Alben gekauft hat, haben wir die halt dazugegeben. Ich glaub ich hab unlängst die vorvorvorletzte verschickt, und von uns hat sich auch jeder eine behalten.

Wo seht ihr euch in 5 Jahren, in 10 Jahren, in naher Zukunft?

Puh.. keine Ahnung. Wir erwarten uns jetzt von dem Album nicht den großen „Bumm!“. Das haben wir uns beim zweiten erwartet, deswegen haben wir auch alle unsere „schönen Refrains“ draufgehaut, weil wir uns gedacht haben, irgendwie muss ja der Ö3 zum Knacken sein. War er nicht, deswegen haben wir uns gesagt, wir machen jetzt einfach unsere Musik, so wie's uns taugt, auch soundmäßig wie's uns taugt. Nachdem wir die CD selbst finanzieren, wird so bald wohl auch kein Video-Budget da sein, aber wir werden spielen und schauen, dass in Deutschland was geht, wir werden nächstes Jahr vielleicht in die Schweiz kommen, aber, ja. Wir bleiben eine Band!

 

 

 




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