Julian Plenti - Julian Plenti ... Is Skyscraper

„I can't replace you, wanna give us another try?“

Paul Banks ist Julian Plenti. Und Julian Plenti ist ein Hochhaus. Kompliziert? Nein, nur das Soloprojekt des Interpol-Sängers.

Was uns Banks (Ich werde ab sofort bei seinem echten Namen bleiben) hier liefert, ist ein sehr interessantes Stück Musik, denn es befinden sich auf dieser Platte sowohl Songs aus seiner frühsten Schaffensperiode, die er mit Interpol nicht veröffentlichen wollte, als auch komplett neues Material. Wild zusammengewürfelt klingt dieses Album dennoch keineswegs.

Das Album beginnt großartig: Only If You Run. Eine dominante Bassline und markante Drums, seine Verbundenheit zu Interpol kann Banks zumindest in diesem ersten Stück nicht leugnen. Doch halt. Was ist mit seiner Stimme los? Über weite Teile des Albums singt Paul Banks nämlich nicht mit seiner markanten, an Ian Curtis von Joy Divison erinnernden Stimme. Trotzdem bleibt die Stimme unverkennbar und kraftvoll wie eh und je. Das ist im nächsten Track besonders zu spüren, Fun That We Have heißt das gute Stück, aber das Niveau des Openers kann hier nicht gehalten werden. Weiter geht es mit einem Kontrastprogramm, dem akustischen, mit Streichern unterlegten Titeltrack (wenn man so will) Skyscraper. Ein Highlight des Albums, nicht zuletzt da es sich so stark von dem unterscheidet was Banks mit seiner Band Interpol geschaffen hat. Das Akustik-Riff erinnert hier außerdem an die Spielweise Jonny Greenwoods von Radiohead. Darauf folgt Games for Days, dass genauso gut auf Our Love To Admire gepasst hätte, typischer New Wave Post-Punk. Leider sehr kurz ist der Madrid Song, auf dem man nur zunächst Banks und eine simple Pianomelodie hört, gelegentlich drängen sich Sprachfetzen in den Hintergrund und ab der Mitte scheint etwas leise, aber doch merklich zu pulsieren. Dieser Song scheint einen vor Melancholie fast zu erdrücken, da braucht es schon etwas beschwingtere Melodien um einen von dieser Last wieder zu erlösen. Diese findet man sogleich in No Chance Survival, textlich aber bleibt Banks auch hier melancholisch. Schier rockig geht er es dafür auf dem nächsten Track an, zu Beginn bohrt sich ein Keyboardsound in die Gehörgänge und im Hintergrund schmettern Bläser eine euphorische Melodie. Trotz seiner rockigen Fassade bleibt Unwind  jedoch latent düster, so wie auch der Rest des Albums. Etwas Blues-lastig mutet Girl On The Sporting News an, und gerade das macht es zu einem herausragendem Stück auf dieser Scheibe. Akustisch geht es weiter mit On The Esplanade, von dem vor dem Release des Albums schon eine ältere Live-Version im Internet aufgetaucht ist. Auch hier vernimmt man im Hintergrund wieder Streicher, die hier fast eine bedrohliche Atmosphäre zu schaffen scheinen. In dem Song Fly As You Might  löst sich diese Atmosphäre nicht auf, im Gegenteil, durch die sprechgesangartigen Vocals wird sie eher noch verstärkt. Zu guter letzt rundet ein pianobasierter Instrumentaltrack, H, das hervorragende Album ab, der trotz der geringen Länge von nur etwa zweieinhalb Minuten stark an die Post-Rock Epen von Mogwai, Sigur Rós und co erinnert.

Paul Banks zeigt, dass er auch ohne seine Band kann, und das doch recht eindrucksvoll. Was er hier geschaffen hat ist ein atmosphärisches, düsteres und melancholisches Album, das sicherlich zu den besten des heurigen Jahres gehören wird. Obwohl einige dieser Songs auch auf einem Interpol Album sicherlich ihren Platz gefunden hätten fügen sie sich doch in dieses Werk wunderbar ein. Zu sehen ist der gute Herr außerdem am 11.12. 2009 in der Arena.






Userbewertung: 9,16 Punkte (19 Stimmen)
Autorenbewertung: 8 Punkte
Alle Kritiken zu Julian Plenti :

Julian Plenti ... Is Skyscraper (2009)
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Autoren-Bewertung: 8 Punkte
User-Bewertung: 9,16 Punkte
Datum: 17. September 2009

Kommentare

  • aber da lässt sich in ca 1 min sogar auf unserer page herausfinden... :P

    von Alex, am 21. September 2009 (vor 8 Jahren)

  • dass sicher nicht jeder weiß, dass franz ferdinand am selben tag sind

    von sophie, am 21. September 2009 (vor 8 Jahren)

  • das weiß ich schon dass es 2 personen waren ;) aber was ist an einem leider in klammern unverständlich?

    von Alex, am 19. September 2009 (vor 8 Jahren)

  • was schreibst es auch so unverständlich? waren außerdem 2 verschiedene personen

    von sophie, am 19. September 2009 (vor 8 Jahren)

  • Zuerst erklären und dann rauseditieren ist irgendwie auch ein fail :P

    von Alex, am 19. September 2009 (vor 8 Jahren)

  • zur klärung: "leider am 11. 12. in der arena" - franz ferdinand spielen am selben tag. abraten wollen wir vom herrn banks natĂźrlich keineswegs :)

    von sophie, am 18. September 2009 (vor 8 Jahren)

  • ein heißer anwärter aufs album des jahres jedenfalls

    von Julius, am 18. September 2009 (vor 8 Jahren)