Konzertreview: Green Day

geschrieben von Sophie Schmidauer, am 10. November 2009

Kalt ist es am Freitag, 6. November, als ich mich in die längste Schlange meiner Konzertkarriere einrehe. Bis um's Eck der Stadthalle reiht sich die Menge jener Leute, die Karten ergattern konnte, was aber keinen so wirklich stört - immerhin hat man einige Zeit auf diesen Abend gewartet.

Irgendwann gegen 19:30 gehen die Lichter aus. Und Karl Orffs Chorhymne Carmina Burana (O Fortuna) schallt durch die Stadthalle. Episch. Weniger episch allerdings Prima Donna, die Vorband der beinahe schon Altmeister von Green Day aus Kalifornien. Nichts gegen gekonntes Gitarrenspiel, Saxophonsoli und ein treibendes Keyboard, aber das fehlende Textertalent des Sängers kann das auch nicht ausgleichen. Aber wegen Prima Donna ist ja ohnehin keiner da, und nach etwa einer halben Stunde treten die Jungspunde ab, und der legendäre rosa Hase, der Green Day schon länger auf Tour begleitet, tritt ins Publikum und stellt seine Trinkfestigkeit unter Beweis. Die Stimmung steigert sich.

Und schließlich tritt Billie Joe Armstrong auf die Bühne, (wieder einmal) erblondet, und die ersten Klänge des aktuellen Albums 21st Century Breakdown ertönen mit Song of the Century, und die Reihenfolge wird konsequent fortgesetzt mit 21st Century Breakdown bis Know Your Enemy. Nach dem folgenden East Jesus Nowhere und The Static Age (nach Holiday) ist es aber auch schon wieder für's erste vorbei mit der Promo für 21st Century..., nun folgen Songs aus der American Idiot-Ära, mit Give Me Novacaine auch mein All-Time-Green-Day-Favourite-Track!

Aber nicht nur die eher jüngeren Fans der drei Jungs aus Kalifornien kommen aus ihre Kosten. Neben alten Gassenhauern wie When I Come Around und Basket Case hört man auch ganz alte Sachen wie 2000 Light Years Away, One For The Razorbacks und das regelmäßig von einer schnell aus dem Publikum heraus zusammengestellten Band gecoverte Knowledge (Operation Ivy). Gar nichts zu hören bekommt man von Warning:, dem selbstproduzierten Band-Midlife-Crisis Album aus dem Jahre 2000 - nur Minority hat sich in die Setlist geschlichen.Vorgänger nimrod ist dafür ordentlich vertreten, Kracher wie Hitchin' a Ride, Brain Stew oder King For A Day (dessen immer wieder kreative Inszenierung zumindest Besitzern der Live-DVD Bullet In A Bible nicht neu sein dürfte) dürfen ja auch nicht fehlen.
So ganz nebenbei will auch Armstrongs mit den Worten "I'm shy.." entblößter Hintern will hier ganz nebenbei auch noch festgehalten werden.

Wenn sich Menschen von 12 bis 50 in einer riesigen Halle versammeln, um sich die Last eines 12.000-Menschen-Muskelkaters des nächsten Morgens zu teilen, weiß man, dass eine Band echtes Live-Potenzial hat. Insgesamt 30 Tracks bzw. 2,5 Stunden ist die Setlist stark, und das bekommt man ja auch nicht alle Tage geboten. Green Day haben sich der ausverkauften Stadthalle gestellt, und das Publikum entfesselt. Aber bei 20 Jahren Liveerfahrung wundert das auch nicht.

 




Kommentare

  • 16000 leute sind in einer ausverkauften stadthalle ;)

    von Alex, am 17. November 2009 (vor 8 Jahren)

  • ahh beim Durchlesen habi jez glatt den drang verspĂĽrt [i]give me novacaine[/i] zu hörn...
    nächstes mal bini auch dabei, hoff ma es gibt a nächstes mal :)

    von särah, am 11. November 2009 (vor 8 Jahren)