Tanz Baby! - Liebe.

„Ich hab getanzt heut' nacht, und jede Frau in meinen Armen warst doch nur du.“

Liebe. Selten gab es einen Albentitel, der passender für das Benannte sprechen könnte. Denn die zwei Wiener von Tanz Baby!, Sänger David, Alleskönner und -schreiber Mu haben sich dem allgegenwärtigsten Thema gewidmet, das man sich überhaupt vorstellen kann. Und erinnern dabei stark an die ganz alte deutsche Schule, denn die Band auf der Bühne in einer verrauchten Bar Anfang des vergangenen Jahrhunderts ist das, was mein geistiges Auge mir beim Hören dieses Debüts zeigt. Das Auftreten von Sänger David mit Anzug, Rose im Knopfloch und gut geschmierter Frisur trägt dazu ebenso bei wie die schlicht "alt" wirkenden Texte, die man heute von kaum einer anderen heute bestehenden Band zu hören bekommt, ebenso wie das rollende R, das sich sonst auch nur Till Lindemann benutzen traut, wenn auch aus ganz anderen Gründen.

Andauernd verliebt gibt sich David, mit trauernden Trompeten im Hintergrund, traurig ist er auch, und das ist auch schon die simple Formel von Liebe., die einerseits gar nicht an oberflächliches verliebtes Geplänkel erinnert, andererseits aber eben von einer Naivität zeugt, wie sie nur die Gefühle erzeugen, von der er, zugegebenermaßen ziemlich monoton, singt. Das wird nach spätestens zwei Durchläufen anstrengend, wenn man ein anderes Tempo gewohnt ist - aber der Refrain von Alleinesein verzaubert mich trotzdem, weil er ganz einfach wunderschön ist. Auch Nur Du, lange Wochen FM4s favourite Lovesong, hat jeder gern im Ohr. Aber wenn man ganz ehrlich ist: irgendwann möchte man doch die Band wechseln, Liebeslieder gibts ja wirklich zum Wegwerfen viele. Die ganzen Facetten auf einer CD versammelt zu haben, ist interessant und fallweise praktisch, aber es hat schon seine Gründe, warum ich diese alte, kitschige Bar-Szene im Kopf habe - denn dort passt diese Musik wirklich gut hin, eben als Hintergrundmusik. Ein vollwertiges Konzert zu besuchen, kann ich mir ebenso schwer vorstellen. Als jemand, der die Liebe schon sein "Eigen" nennt, sofern das möglich ist, kommt stimmungsmäßig wohl nur Einsamkeit auf, und ob man sich als Single länger als eine Stunde so berieseln lassen möchte, ist auch fraglich.

Nichts ist wunderbar, weil alles bist nur du: die unerwiderten Gefühle sind schon eine Qual. Süß, bittersüß, tiefdüster. Alles das durchlebt man hier in guten 37 Minuten und fühlt sich sicherlich auch an alte (oder, Gott bewahre, aktuelle) Zeiten erinnert. Leiden kann man so sicher wunderbar, und beinahe jeder kann sich mit Davids kleinem, reinen Herzen identifizieren - aber ob man das gerade wirklich möchte, ist auch eine andere Frage.
"Wir haben noch gar nicht richtig angefangen", sagt Mu auf die Frage, ob das Thema nicht langsam ausgeschöpft ist - das lässt auf weitere Minuten voll Träumereien warten. Man darf gespannt sein, worauf man wartet: eine Fortsetzung im selben Stil, oder ob Tanz Baby! wirklich das Kunststück schaffen, sich neu zu erfinden.






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Alle Kritiken zu Tanz Baby! :

Liebe. (2009)
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Autoren-Bewertung: 7 Punkte
User-Bewertung: 8,33 Punkte
Datum: 10. Januar 2010

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