Arcade Fire - Neon Bible

„working for the church while your life falls apart.“

Drei Jahre nach dem Achtungserfolg ihres Debütalbums Funeral überzeugen die Kanadier von Arcade Fire (jaja, die Butlers sind ursprünglich aus den USA, Régine aus Haiti, aber ich will da nicht so kleinlich sein) erneut mit einem wunderbaren Orchester-untermalten Album. Neon Bible, benannt nach einem Buch von John Kennedy Toole, dessen Themen ziemlich arcadefireesque wirken.
Flucht, Kirche, innerer Zwiespalt, Liebe und Trennung etc. werden auf Platte No. 2 wunderbar behandelt, und regen wieder an, sich Gedanken zu machen.

Wie schon auf Haiti wird offenbar auch wieder die Flucht von Régine Chassagnes Eltern behandelt (Black Wave/Bad Vibrations), gleich anschließend folgt das wunderschöne melancholische Ocean of Noise, von dem es auch ein wunderbares Calexico-Cover (als B-Seite von Intervention bzw. hier zu hören) gibt.
Aber um das Pferd nicht ganz von hinten aufzuzäumen, fang ich lieber nochmal vorne an. Neon Bible startet vermeintlich laut donnernd mit Black Mirror (nachdem auch die Tour-DVD, Miroir Noir benannt ist), und schon auf diesem ersten Track finden sich die ersten französischen Zeilen des Albums, denn nicht nur der menschliche innere Zwiespalt ist Thema, auch der sprachliche wird eingebunden, auch wenn die französischen Texte für gewöhnlich von Régine übernommen werden, nicht von Win, wie hier. Angst und wie so oft (eine geplante, kommende) Flucht behandelt Keep The Car Running, was man so gar nicht glauben möchte, wenn man nicht auf den Text hört, denn der Track klingt ziemlich fröhlich und schön. An dieser Stelle könnte man wieder diverse Metaphern über die Zwiespältigkeits dieser Platte ausgraben, aber ich überlasse die Interpretation nun großteils dem Hörer.
Unheimlich beruhigend hört man Neon Bible, also Track Nummer 3, ebenso bibellastig weiter mit sicher einem der besten Arcade Fire-Titel überhaupt, Intervention, das mit seinem orgellastigen Antrieb kaum Zweifel an der lyrischen Bedeutung lässt.
Dass die Orgel nicht nur für einen Track auf der Bühne steht, zeigt der Schlusstrack, My Body Is A Cage, ein monumentales Leidensfeuerwerk als grandioser Abschluss eines grandiosen Albums, der vor Höhepunkten sprüht und noch zwei große Lieder vor dem letzten Ton bietet, nämlich Windowsill, das eine sehr persönliche Trennung thematisiert, und No Cars Go, eines meiner Lieblingslieder, das wie so viele andere Neon Bible zu einem Highlight in jeder Musiksammlung macht. Und besonders im Herbst freut man sich immer wieder, wenn es auf dem Weg zur Schule bzw. Arbeit begleitet.
Ich lege übrigens jedem, der sich das Album zu Gemüte führen will, ans Herz, sich die Texte (am besten im Originalbooklet) durchzulesen.






Userbewertung: 8,56 Punkte (9 Stimmen)
Autorenbewertung: 8 Punkte
Alle Kritiken zu Arcade Fire :

Neon Bible (2007)
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Autoren-Bewertung: 8 Punkte
User-Bewertung: 8,56 Punkte
Datum: 12. September 2009

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