Muse - The Resistance

„Interchanging mind control - come let the revolution take its toll!“

Endlich!
Nicht nur ich, sondern auch unzählige weitere Muse-Fans rund um den Globus haben den 14. September 2009 sehnsüchtig erwartet. Und das seit einiger Zeit, immerhin liegt das letzte Album, Black Holes and Revelations, schon über drei Jahre zurück. Aber wie gesagt, endlich - es ist soweit. The Resistance ist da, und nicht nur der Albumtitel ist mehr als treffend für diese Band, jeder einzelne Track passt wie die Faust aufs Auge zum Muse-Stil (mal abgesehen vielleicht von I Belong To You).
Das lange Warten hat sich jedenfalls gelohnt, und das ist noch gar kein Ausdruck: Dieses Album ist vieles, aber vor allem eine unglaubliche Weiterentwicklung zu allen Vorgängern (wobei ohnehin jedes für sich schon einzigartig und ziemlich bemerkenswert ist), und höchstwahrscheinlich auch das beste, das Muse je gemacht haben (aber das ist Geschmackssache, vor allem mit Origin of Symmetry wird es sich bei Kennern um den Titel streiten müssen).
Jeder Track für sich ist ein ziemliches Epos, und den Drang zur Einzigartigkeit und Weiterentwicklung haben die Drei aus Teignmouth noch nie so deutlich ausgelebt. Opener und erste Single, Uprising, ist ein Anarcho-Space-Flug, dessen Melodie direkt aus den Sci-Fi-Filmen der 60er stammen könnte. Darauf folgen Resistance und Undisclosed Desires, beides künftige Singles (wie der Aufkleber auf dem CD-Cover verrät), ersteres eine offensichtliche Hommage an George Orwell's 1984, von dem ohnehin das ganze Album (insbesondere United States Of Eurasia) gezeichnet ist - ich finde keine einzige Zeile in dem Lied, die nicht von der geheimen Beziehung zwischen Winson und Julia handelt), letzteres ein seltsamer (aber gefallender!) Mix aus dem R'n'B-Dance-alles-aus-den-Charts-Zeug, das MTV/VIVA und sämtliche Discos in letzter Zeit so gerne spielen (mein Programmierer neben mir wirft gerade die Backstreet Boys in den Raum, die aus Pietätsgründen für gute Musik aber jetzt nicht fett markiert werden), Violinpizzicato-Unterlegung und solchen knallenden Bassklängen, wie man sie sonst nur aus Justice- und Metaltracks kennt. Außerdem Matt Bellamys schmeichelnde Stimme, die den Song einerseits zu einem perfekten Kandidaten für eine Sex-Playlist (und zwar keinen solchen, wie man sie von Muse sonst gewöhnt ist! oO) macht, und im Refrain allen Frauen, die den netten Herren jemals heiraten wollten, aber einen traurigen Seufzer entlockt. Dieser leicht verwirrende Track endet, und ein großer Höhepunkt in der Geschichte der Band klimpert leise an. United States Of Eurasia könnte 1:1 aus den Federn der großen Queen entsprungen sein, und beeindruckt von der ersten bis zur letzten Sekunde. Erinnert rückwärts gespielt übrigens zu "Beginn" auch stark an Queen's Bicycle Race. Ein wahres Epos, aber genau das ist auch das Wort, das so gut wie jeden Titel dieses Albums perfekt beschreibt. Episch von Uprising bis Exogenesis Part 3.
Ja, ich bin beeindruckt. Am liebsten würde ich die CD heiraten und mit ihr viele kleine Meisterwerke zeugen, aber da das allein aus biologischen Gegebenheiten nicht funktioniert und außerdem mein Freund etwas dagegen hätte, wünsche ich mir einfach nur, dass The Resistance auf alle Zeit in die Stratosphäre jener Alben befördert wird, die die Musikgeschichte maßgeblich beeinflusst haben. Aber zurück zum Wesentlichen.

Auf Unnatural Selection (wieder so ein wunderbarer Titel) packt Bellamy erstmals seit Megalomania wieder die Orgeltöne aus, und zumindest wenn man nach Titel oder Text geht, scheint die Orgel für ihn für die negativen bis apokalyptischen Gefühlsspannen zu stehen.  Momenteweise erwartet man fast Serj Tankian, loszubrüllen, weil man sich für Sekunden in einem System of a Down-Track wiederfindet (huh), aber auch Red Hot Chili Peppers' Parallel Universe scheint Teil zu sein. Aber nicht nur das, unglaublicherweise haben Muse von sich selbst geklaut, das Hauptriff ist tatsächlich fast haargenau das selbe wie aus New Born! Aber es hat sich ja bewährt.

  Megalomania: What are they for? They'll just grow up and break the laws you've loved
  Unnatural Selection: Another chance to erase it then repeat it again

MK Ultra ist ein beinahe etwas unspektakulärer Track, dessen Qualität sich aber trotzdem so manche andere Band wünschen würde - ich weiß, das klingt einfallslos, weil das eben einfach so ist, wenn man von Muse spricht. The Resistance ist jedenfalls ein absolutes Konzeptalbum, und in das Konzept fügt sich der Song sehr schön ein.

Als Abschluss ein Dreiteiler - die Exogenesis-Symphonien bieten ein so wunderbares/-schönes Ende aus Klassik, Gitarren und Leidenschaft, wie man es besser unmöglich schreiben hätte können. Grandios, großartig, faszinierend und sämtliche positiven Adjektive, die ich kenne, sind für meine Begriffe fast noch etwas bescheiden. Somit steigt die Freude auf das München-Konzert ins Unermessliche, und genauso steht es mit der Vorfreude auf ein neues Album - hoffentlich nicht wieder erst in drei Jahren.






Userbewertung: 8,44 Punkte (16 Stimmen)
Autorenbewertung: 9 Punkte
Alle Kritiken zu Muse :

Absolution (2003)
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Autoren-Bewertung: 8 Punkte
User-Bewertung: 9,24 Punkte
Datum: 28. Juli 2009

Origin Of Symmetry (2001)
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Autoren-Bewertung: 10 Punkte
User-Bewertung: 8,84 Punkte
Datum: 30. Juli 2009

The Resistance (2009)
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Autoren-Bewertung: 9 Punkte
User-Bewertung: 8,44 Punkte
Datum: 15. September 2009

Kommentare

  • Ich mag unnatural selction, uprising und die letzten drei wirklich sehr, aber der Rest haut mich echt nicht vom Hocker.
    Die Gitarren klingen langweilig und Matts Stimme hat STARK nachgelassen im Vergleich zu Origin udn Absolution(naja, daf├╝r st├Ârt seine Atmung jetzt garnichtmehr^^).
    Bass und Drums sind solide wie immer, aber die wirklich gro├čen Momente fehlen mir hier.

    von Fabi, am 15. September 2009 (vor 8 Jahren)