Neigungsgruppe Sex, Gewalt und Gute Laune - Wellen Der Angst

„Niemals fahr i ins Museumsquartier, au├čer du wartst dort auf mi.“

Nix schmeckt so grauslich wie a lauwarmes Bier, außer wir trinkens gemeinsam.
So beginnt Wellen der Angst, Album Nummer zwei der fünf FM4-Moderatoren Ostermayer, Zikmund, Pfster, Fuchs und Hebenstreit. Und Taximusik ist auch wirklich ein sehr schöner Start für den rum-, bier- und weingetränkten Nachfolger von Goodnight Vienna, auf dem sich wieder fünf Coverversionen englischsprachiger Lieder finden, auch wenn der Starttitel keine davon ist.

Dafür aber Hooligan der Herzen, original von Naked Lunch, deren Sänger Oliver Welter auch als zweite Stimme vertreten ist, und auch Scheene Leich, das ins Wienerische übersetzte Time To Pretend von MGMT. Übersetzungstechnisch gibts auch hier, wie überhaupt nirgends, kaum etwas zu bemängeln, schade sind nur die Geigen, die sich teilweise nichts trauen, teilweise schlecht abgemischt sind, teilweise beides, was schade ist, weil es dem Lied sehr viel an Power wegnimmt, die es eigentlich recht ordentlich verkörpern sollte. John Cales Dying On The Wine wiederum ist von Ostermayer sehr schön umgesetzt und wirkt, wie recht viele Lieder der Platte, sehr düster, was eigentlich recht gut passt, auch zum Albumtitel, denn Wellen der Angst finden sich hier überall.
Weniger ängstlich und depressiv als nachdenklich und hoffnungsvoll hört sich wiederum Krieg der Sterne an. "Rennt durt oben FM4? Herts ihr uns manchmal zu?"  fragt sich hier Robert Zikmund, der hier eine wunderbare Nummer geschaffen hat. Das Album nur auf Urgestein Ostermayer zu beschränken, wäre auch unfair, zumal Pfister, Fuchs und Zikmund das Gros der Lieder übersetzt haben und Ostermayer sich auch beim Texten der Eigenkompositionen sehr zurückgehalten hat.
A Butterbrot vom Tod will David Pfister, der sich durch die Hölle wurschtelt und dem Knochenmarsch neben dem apokalyptischen Titel auch einen ebensolchen Touch verpasst, womit Titel Nummer 8 nicht der einzige ist, der die Welt untergehen sieht, denn der Tod ist ein recht wichtiges Thema auf Wellen der Angst.
Ein weiterer solcher Track ist zum Beispiel der darauf folgende, Schaun in die Sunn, original von TV On The Radio (Staring At The Sun) und mein persönlicher Lieblingstrack auf dem Album, der mir gar nicht mehr aus dem Kopf gehen will, weil er so wunderschön melancholisch ist.
Nicht apokalyptisch, sondern etwas makaber gestaltet sich Das Nesterl, der Refrain geht auf das Konto der Linzerin Erynnia.
Wellen der Angst, ursprünglich Waves of Fear von Großmeister Lou Reed (Taxidriver-Soundtrack), erinnert wieder an die Grundstimmung an der Bar unzähliger Wiener Beisl. So fassen die Fünf noch alles zusammen, was zur Angst gesagt werden muss, untermalt mit faszinierend-grauslichen Störgeräuschen und Insektengeflatter.

Es bleibt nicht viel zu sagen, nur so viel: Wellen der Angst ist ein großartiges Album, der alles, was man unter neu-österreichisch verstehen könnte, weil es von Ö3 als ebendas verkauft wird, in einen Schatten ordentlichen Ausmaßes stellt, und eine schöne Mischung von dem bietet, was man sich als neuer und alter Austropop vorstellen könnte. Hoffentlich auch weiterhin.






Userbewertung: 8,70 Punkte (10 Stimmen)
Autorenbewertung: 9 Punkte
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Wellen Der Angst (2009)
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Autoren-Bewertung: 9 Punkte
User-Bewertung: 8,70 Punkte
Datum: 20. Dezember 2009

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